Unterfordert im Job: Wenn fehlende Herausforderung zur Belastung wird

Viele Menschen denken beim Stichwort Unterforderung zunächst an ein Luxusproblem. Sprüche wie „Langweile hätte ich auch gern mal“ oder „Sei doch froh!“ sind häufige, aber leider unpassende Reaktionen auf ein ernstzunehmendes Problem. Denn Unterforderung im Job ist weit mehr als nur ein Moment der Langeweile. 

Laut einer Studie von Avantgarde Experts fühlt sich nahezu jeder zweite Berufstätige dauerhaft unterfordert oder hat das Gefühl, sein Potenzial nicht voll auszuschöpfen. Im Gegensatz zur gelegentlichen Langeweile, die kreativitätsfördernd wirken kann, ist chronische Unterforderung belastend und mündet nicht selten in einem Boreout.

Erkennungszeichen von Boreout

Boreout zeigt sich schleichend und wird häufig lange Zeit nicht erkannt. Betroffene verspüren oft eine innere Leere, Frustration und Desinteresse an Aufgaben, die einst Freude bereitet haben. Morgens fällt das Aufstehen schwer, und der Arbeitstag zieht sich quälend dahin. 

Ein typisches Verhalten ist das Vortäuschen von Beschäftigung, um sich vor dem unangenehmen Gefühl der Sinnlosigkeit zu schützen. Körperlich äußert sich Boreout durch ständige Müdigkeit, Schlafprobleme und ein Gefühl von allgemeiner Erschöpfung – paradoxerweise oft trotz geringer geistiger und körperlicher Auslastung.

Ein weiteres alarmierendes Zeichen ist der Rückzug aus dem sozialen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, da Gespräche eintönig wirken und keine neuen Impulse bieten. Boreout-gefährdete Menschen empfinden ihre Arbeit zunehmend als sinnlos und verlieren langfristig die Motivation, was sowohl körperliche als auch psychische Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Unterfordert im Job: Mögliche Ursachen​

Unterforderung resultiert häufig nicht aus zu wenig Arbeit. Viele Ursachen sind komplexer, als man auf den ersten Blick vermuten würde:

Falscher Job

Oft liegt das Problem in einer Position, die einfach nicht zu den persönlichen Fähigkeiten, Interessen oder Zielen passt. Wer beispielsweise gerne analytisch mit Zahlen arbeitet, wird in einer Rolle, die hauptsächlich Textarbeit erfordert, schnell unterfordert sein – und umgekehrt.

Verlust wichtiger Aufgaben

Gerade Führungskräfte erleben Unterforderung, wenn ihnen zentrale Aufgaben im Rahmen von Umstrukturierungen oder Restrukturierungen entzogen werden. Zwar bleibt das Gehalt gleich, doch Verantwortung und Einfluss nehmen drastisch ab. Das führt zu Frustration und langfristig auch zu einem Verlust der beruflichen Identität.

Überqualifikation

Wer überqualifiziert ist, spürt deutlich, dass das Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird. Eine Position, die zu geringe Anforderungen stellt, kann schnell zu Langeweile und Desinteresse führen.

Fehlende Anerkennung und Feedback

Mangel an konstruktivem Feedback oder Wertschätzung führt ebenfalls häufig zu chronischer Unterforderung. Ohne Anerkennung verliert die Arbeit schnell ihren Reiz, und Frust entsteht.

Soziale Unterforderung

Ein oft übersehener Faktor ist das soziale Umfeld. Wenn Gespräche im Kollegenkreis eintönig sind und keine inspirierenden Reize bieten, kann das die tägliche Motivation drastisch reduzieren.

Was macht Unterforderung mit uns?

Unterforderung im Job ist keine Kleinigkeit. Sie führt langfristig zu einem Gefühl der Sinnlosigkeit, beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und reduziert die Leistungsfähigkeit enorm. 

Häufig entsteht eine regelrechte Abwärtsspirale: Je länger jemand unterfordert ist, desto schwieriger wird es, daraus auszubrechen. Frustration, innere Unruhe und chronische Müdigkeit sind die Folge. Manche erleben sogar depressive Verstimmungen oder körperliche Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafprobleme.

Das eindrucksvolle Beispiel des ehemaligen Fußballprofis Tobias Weis zeigt, dass sogar die Leidenschaft für den eigenen Beruf verloren gehen kann, wenn dauerhaft zu wenig gefordert wird. Weis, einst talentierter Spieler bei Hoffenheim und Teil der Nationalmannschaft, verbrachte zunehmend Zeit auf der Ersatzbank. Diese Unterforderung führte letztlich dazu, dass er dem Fußball komplett den Rücken kehrte.

Unterfordert im Job: Welche Maßnahmen helfen?

Wer die Symptome bei sich erkennt, sollte schnell aktiv werden, denn je länger der Zustand anhält, desto schwerer ist es, ihm zu entkommen:

Bewusste Reflexion

Der erste Schritt besteht darin, sich ehrlich zu fragen, was genau fehlt. Welche Aufgaben motivieren wirklich, und was fühlt sich sinnvoll an? Diese Reflexion schafft Klarheit darüber, in welche Richtung eine Veränderung erfolgen sollte.

Kleine Herausforderungen setzen

Schon kleine tägliche Challenges können helfen, die geistige Lethargie aufzubrechen. Das könnten kreative Projekte, Weiterbildung oder ganz neue Hobbys sein. Dabei geht es nicht um große Veränderungen, sondern darum, das Gehirn regelmäßig auf spielerische Weise zu stimulieren.

Nein sagen lernen

Nicht jede Aufgabe, die einmal zugesagt wurde, passt dauerhaft zur eigenen Entwicklung. Manchmal muss klar kommuniziert werden, dass Tätigkeiten inzwischen langweilen oder nicht mehr herausfordern.

Neue Impulse suchen

Weiterbildungen, neue Projekte oder Austausch mit inspirierenden Menschen können helfen, frische Energie zu tanken und den Horizont zu erweitern. So kommt neuer Schwung in die berufliche und persönliche Entwicklung.

Aktives Engagement

Aktivität statt passiver Erholung lautet die Devise. Das Gehirn braucht regelmäßig neue Reize und Erfahrungen, um nicht in Lethargie zu versinken. Aktivitäten, die die Komfortzone erweitern, sind besonders effektiv.

Unterforderung ist kein unvermeidliches Schicksal

Unterforderung im Job kann ernsthafte Folgen für Gesundheit und berufliche Entwicklung haben. Sie zu erkennen, ist der erste und wichtigste Schritt zur Veränderung. Glücklicherweise ist Unterforderung kein unvermeidliches Schicksal. Aktives Handeln, gezielte Selbstreflexion und bewusst gesetzte Herausforderungen helfen dabei, diesen Zustand zu überwinden.

Es liegt also viel in der eigenen Hand, das berufliche Umfeld so zu gestalten, dass Potenzial und Talente sinnvoll eingesetzt werden. Wer diesen Schritt wagt, erlebt, wie Motivation und Lebensfreude zurückkehren – denn letztlich geht es darum, aktiv zu gestalten und nicht nur passiv zu reagieren.

Wenn Du hier Impulse bekommen möchtest, um der Lethargie zu entfliehen, melde Dich gerne bei mir. 

Das Erstgespräch geht auf mich!

Ich bin Simone Schweitzer, Coach, Teamcoach und Organisationsberaterin mit Herzblut.

Nach 27 Jahren in der Konzernwelt, davon 15 Jahre als Führungskraft, unterstütze ich heute Menschen und Organisationen dabei, ihre arbeitsbezogenen Herausforderungen zu meistern und die Arbeitszufriedenheit zu steigern. Dabei habe ich eine besondere Schwäche für vernachlässigte Perspektiven auf das Thema.

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